Broschüre des RWV Die neueste Ausgabe (Heft 24) unserer Broschüre "Oper und Konzert" mit aktuellen Informationen und mehreren Artikeln steht als pdf-Datei zur Verfügung: Datei hier herunterladen
Social Network Der Richard-Wagner-Verband Kassel hat jetzt auch eine Facebook-Seite.
Bitte besuchen Sie uns auf https://www.facebook.com/wagner.kassel
Erlebnis Bayreuth:
Die Stipendiaten-Tage 2021
mit Marvin Köhler
Die traditionellen Stipendiaten-Tage während der Bayreuther Festspiele waren in diesem Jahr Corona-bedingt eingeschränkt. Statt der 250 Stipendiaten aus aller Welt waren es diesmal nur 60.


Die 60 Stipendiaten aus aller Welt mit den Vorstandsmitgliedern der Wagner-Verbände nach dem Eröffnungsempfang vor der Villa Wahnfried

Unser Richard-Wagner-Verband Kassel konnte im Zuge seiner Bemühungen, den künstlerischen Nachwuchs zu fördern, nur einen Stipendiaten entsenden statt wie zuletzt drei: Marvin Köhler. Er ist in der Schlussphase seines Studiums an der Universität Kassel, wo er das Lehramt am Gymnasium in den Fächern Musik und Germanistik ansteuert.
Marvin Köhler war begeistert von Bayreuth. Das Stipendium umfasste den Besuch von drei Werken im Festspielhaus: Tannhäuser, Holländer (Neuinszenierung) und Meistersinger. Dazu kamen wie immer Einführungsvorträge, die Besichtigung des Richard-Wagner-Museums, ein Empfang durch den Oberbürgermeister und das nun schon traditionelle Stipendiatenkonzert. Der Austausch mit den anderen Gleichgesinnten war für ihn von besonderem Wert.
Bezeichnend ist, was er nach dem Besuch von „Tannhäuser“ äußerte: „Dieses Werk wurde mit großem Einfallsreichtum und klug durchdacht inszeniert. Das musikalische Niveau ist Weltklasse, das Klangerlebnis im Festspielhaus, immer wieder als einzigartig beschworen, ist tatsächlich ein ganz besonderes. Wahrscheinlich kann man das nirgendwo auf der Welt so erleben.“


Marvin Köhler (links) mit unserem Vorsitzenden Hansgeorg Kling vor dem Festspielhaus. Gleich wird der „Tannhäuser“ beginnen

Hansgeorg Kling
Unser Ehrenmitglied
Manfred Himmelmann
lebt nicht mehr
Vor wenigen Tagen starb unser Ehrenmitglied Manfred Himmelmann. Er hatte in den letzten Monaten viel zu leiden und konnte das Bett nicht mehr verlassen. Unverzichtbar war es für ihn, Musik zu hören. Das richtete seine Frau für ihn ein. Am 21. Juli, wenige Tage nachdem er 89 Jahre alt geworden war, schlief er ruhig ein.
Der ehemalige Oberstudienrat an der Freiherr-vom-Stein-Schule in Hessisch Lichtenau konnte sich nach der Pensionierung Mitte der 90er Jahre ganz seinen liebsten Freizeitbeschäftigungen widmen, der klassischen Musik und dem Lesen. Seine Sammlung an Schallplatten und CDs ist bewundernswert. Nachdem er 1989 mit seiner Frau in den Richard-Wagner-Verband eingetreten war, ließ er auch da seine Stärken zum Tragen kommen und wurde als Schriftwart für zehn Jahre Vorstandsmitglied in unserem Ortsverband. In bester Erinnerung ist noch jetzt sein perfekt ausgearbeiteter Vortrag von 2001 über Verdi und Wagner („Eine Annäherung in 15 Kapiteln“): „Meinen Sie, ich hätte unter dieser Sonne den Tristan schreiben können?“
Wir danken ihm für seinen Einsatz. Er wird uns in guter Erinnerung bleiben.

Hansgeorg Kling
Mit Zuversicht
hinein in den Herbst
Die Corona-Zahlen sinken. Wir sind jetzt zuversichtlich, dass sie niedrig bleiben und dass es keine neue Pandemie-Welle gibt. Unser Wagner-Treff kann wieder stattfinden. Das begann am dritten Dienstag im Juni: Zum sehr gut besuchten Gespräch mit unserem neuen Intendanten, Florian Lutz, kamen über 30 Interessierte in die „Prinzenquelle“, das neue Lokal für unseren Wagner-Treff, kurz vor der Hessenschanze. Hier findet also auch die Mitgliederversammlung am 20 Juli statt.
Nachdem 2020 unmittelbar nach der Premiere der „Götterdämmerung“ (7. März) die Spielzeit abgebrochen werden musste, kam das Theaterleben im Juni vor einem Jahr wieder in Gang. Aber kurz nach der Spielzeiteröffnung im Herbst 2020 musste das Haus am Friedrichsplatz wieder geschlossen werden. Das blieb fast genau acht Monate so, bis es vor wenigen Tagen, Anfang Juli, mit „Der Wind in den Weiden“ wieder eine Opernaufführung gab.
Die neue Spielzeit 2021/22 wird Ende September eröffnet. Mit einem Doppelschlag: „Wozzeck“ (Alban Berg) und „Tosca“ (Puccini). Das neue Spielzeit-Heft ist kein Heft, sondern ein stattliches Buch: Es umfasst 360 Seiten und verspricht viel. Wir sind gespannt.
Mit dem Spielzeitende geht Thomas Bockelmann, der 17 Jahre lang Intendant des Staatstheaters war, in den Ruhestand. In dem 336-Seiten-Band, den er zu seiner Verabschiedung vorlegte, ist der Richard Wagner Verband prominent vertreten: mit dem Beitrag über „Die Wagner-Pflege in der Ära Bockelmann“.
Die Monate des Stillstandes wegen Corona wurden nicht zuletzt auch durch unsere „Blaue Broschüre“ überbrückt, die Ende Mai herauskam und mit 36 Seiten gar nicht so dünn ist, obwohl Aktuelles, Opernpremieren zum Beispiel, fehlt.
Der Vorstand des RWV Kassel wünscht allen Mitgliedern und Freunden einen guten Sommer, Zuversicht für den Herbst, vor allem aber Gesundheit.

Hansgeorg Kling
Corona: Den Wert der Kultur richtig einschätzen Die Situation der Theater und Opernhäuser ist, um es kurz zu sagen: miserabel, auch und gerade in Deutschland. Das Corona-Gift wirkt immer nachhaltiger. Menschen, die nach Kunst und Kultur gieren, werden gereizter; selbst stoische Naturen rasten mitunter aus, wenn sie auf die Maßnahmen angesprochen werden, die von der Politik verkündet werden. Man konnte und wollte das ja lange Zeit nicht glauben: dass es im politischen Raum tatsächlich eine weitverbreitete Meinung zu sein scheint, Blumen, Barbiere und Baumärkte seien wichtiger als Beethoven, Britten und Bellini. Die jüngsten Beschlüsse der Bundesregierung und der Ministerpräsidenten der Länder jedoch lassen nur einen Schluss zu: Die Politiker meinen es tatsächlich ernst mit der «Freizeitunterhaltung». Anscheinend wollen (oder können) diese Damen und Herren nicht verstehen, dass Kultur und Bildung, obwohl das eine wie das andere laut Grundgesetz besonders geschützt ist, jetzt auch einmal Vorrang haben sollten vor der Frage, was der Einzelhandel so treibt. Ganz abgesehen von der Tatsache, dass Kultur einer der größten Wirtschaftsfaktoren dieses Landes ist.
Zugegeben, im Vergleichen des Unvergleichlichen liegt stets eine Gefahr: Ein geschlossenes Schwimmbad ist genauso schlimm wie eine geschlossenes Konzerthaus, eine Boulder-Halle nicht minder wichtig für die geistig-körperliche Fitness der Jugendlichen als eine Schule, ein Supermarkt ebenso systemrelevant wie eine Staatsoper. Die Krux liegt darin, dass es die Politik ist, die diese Institutionen miteinander vergleicht. Seriöse Studien haben ergeben, dass die Gefahr, sich zu infizieren, beim Besuch eines Lebensmittelladens größer ist als bei einem Theaterabend. Warum also ist Ersterer dauerhaft geöffnet und Letzterer erst ab einer bestimmten Inzidenzzahl? Wird demnächst nur noch auf dem Land gespielt? Haben Berliner, Frankfurter und Hamburger Kulturfreaks weniger Anrecht auf einen Theaterbesuch, nur weil die Bevölkerungsdichte in diesen Städten besonders groß ist? Oder sollen wir ein Opernhaus auf Hiddensee, Juist oder Amrum gründen?
Folgen wir also dem Ideal des Philosophen Rawls folgen, Gerechtigkeit erfordere, dass Freiheit (also auch die der Kunst!) nur um der Freiheit willen, nicht aber anderer gesellschaftlicher oder ökonomischer Vorteile wegen eingeschränkt werden dürfe. Suchen wir nach einem substanziellen Minimalkonsens. Und machen wir uns endlich klar, dass wir unseren Kindern die Zukunft verbauen, wenn wir ihnen die Chance nehmen, sich musisch und anderweitig zu bilden. Jene soziale Gerechtigkeit, die der Philosoph als Grundvoraussetzung für seine normativ-praktische Philosophie postuliert, gilt nämlich nicht nur innerhalb einer Generation, sie gilt auch zwischen den Generationen. Und es ist unsere verdammte Pflicht, den nachfolgenden Generationen die Welt, und damit auch die Welt der Musik und der Worte, nicht in einem schlechteren Zustand zu hinterlassen, als dem, in dem wir sie selbst übernommen haben. Wenn wir diese Pflicht vernachlässigen, entziehen wir uns selbst das, was man als das «wichtigste Grundgut» bezeichnet kann: die Selbstachtung.

Jürgen Otten
Buchbesprechung - Das stattliche Werk zur Ära Bockelmann Es ist ein stattliches Werk geworden. 28 Autorinnen und Autoren beteiligten sich. Der Band, der die 17 Jahre aufblättert, die Thomas Bockelmann in Kassel Intendant war, ist 340 Seiten stark und wiegt 1,1 kg. Eine geradezu notwendige Anschaffung für alle, die das Theater wertschätzen, und ein lohnendes Geschenk für die, die noch für das Theater gewonnen werden sollten.
Was das Team der Öffentlichkeitsarbeit zusammen mit Chefdramaturg Michael Volk hier zustande brachte, ist eindrucksvoll und überaus erfreulich. Die ganze Palette dessen, was das Theater ausmacht, wird aufgeblättert. Dingfest gemacht an den Berichten über ausgewählte Inszenierungen, an Fotos (teilweise ganzseitig, durchweg sehr stark), an Tabellen, Übersichten, Zahlen.
Nach dem Vorwort, in dem der Intendant auf vier eng beschriebenen Seiten seine Bilanz zieht, und den Grußworten der Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst sowie des Oberbürgermeisters kommen 24 Autorinnen und Autoren zu Wort, die die Leistung dieser 17 Jahre würdigen. Darunter sind mehrere ehemalige Oberbürgermeister, drei Magistratsmitglieder unserer Stadt Kassel, mehrere Schriftstellerinnen, Regisseure und Regisseurinnen und nicht zuletzt die Vertreter der Vereinigungen, die dem Theater in besonderer Weise zugewandt sind. Der Richard-Wagner-Verband ist mit dem Beitrag über „Die Wagner-Pflege in der Ära Bockelmann“ vertreten.
Imponierend sind die Zahlen: Es gab in den 17 Spielzeiten, über die berichtet wird, 453 Inszenierungen im den Sparten Musiktheater, Schauspiel, Kinder- und Jugendtheater sowie Tanztheater. Die Zahl der Vorstellungen summiert sich auf mehr als 15 000. Das Staatsorchester trat mit 408 Konzerten auf. Der Intendant selbst war fast 400-mal als Darsteller auf der Bühne zu erleben. Und, man staune, die Zahl der Besucherinnen und Besucher liegt bei 3,3 Millionen.
Wir werden viele Aufführungen in bleibender Erinnerung behalten, eingeschlossen die zweieinhalb Jahre zu Beginn, als das Wirken in den Ersatzspielstätten stattfand, allen voran das großartige Zirkuszelt auf dem Friedrichsplatz. Und wir werden dabei immer wieder daran denken, dass da eine Mannschaft von rund 500 Festbeschäftigten für die gute Sache am Werk war und ist.

Hansgeorg Kling

Staatstheater Kassel (Herausgeber): 2004 – 2021 – Intendanz Thomas Bockelmann. Kassel 2021. 340 Seiten, 8 Euro (für Abonnenten, Förder- und RWV-Mitglieder 5 Euro)