Broschüre des RWV Die neueste Ausgabe (Heft 19) unserer Broschüre "Oper und Konzert" mit aktuellen Informationen und mehreren Artikeln steht als pdf-Datei zur Verfügung: Datei hier herunterladen
Social Network Der Richard-Wagner-Verband Kassel hat jetzt auch eine Facebook-Seite.
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Unsere Stipendiaten 2019 Der Richard Wagner Verband ist im Wesentlichen dazu da, den künstlerischen Nachwuchs zu fördern und die von Wagner selbst gegründete Stipendienstiftung zu sichern. Das diesjährige Stipendium umfasst den Besuch von drei Werken im Festspielhaus: am 15.8. Parsifal, am 16.8. Tristan und Isolde, am 17.8. Tannhäuser (Neuinszenierung). Das öffentliche Stipendiatenkonzert findet am 18.8. statt.
Dazu kommen: Besichtigung des Festspielhauses, Einführungsvorträge, Empfänge. Die Begegnung mit den 250 anderen Stipendiaten aus aller Welt und die Gespräche mit ihnen werden für unsere drei von besonderem Wert sein.

Julia Schleicher
Stipendiatin 2019, Violine, geboren 1986 in Schwarzenbruck (bei Nürnberg), Abitur 2006 in Neumarkt, Studium an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg und an der Universität der Künste Berlin. Masterprüfung 2015. Mit 16 Jahren jüngstes Mitglied des European Union Youth Orchester (EUYO). Verschiedene Meisterkurse, verschiedene Auszeichnungen. Von 2013 bis 2015 Stipendiatin in der Orchesterakademie der Staatskapelle Berlin, 2016/17 im Orchester der Elbphilharmonie Hamburg, seit August 2017 fest engagiert im Staatsorchester Kassel (1. Violine).

Samira Weber
Stipendiatin 2019, Querflöte, geboren 1999 in Willich, seit 2014 musikalische Ausbildung in Klavier, Harfe, Gesang und Flöte in Essen, Köln und Wuppertal, 2013 erste Ensemble-Erfahrungen, Erfolge bei „Jugend musiziert“, verschiedene Praktika und Meisterkurse, seit dem Wintersemester 2018/19 Bachelorstudium an der Musikakademie Kassel (Hauptfach Querflöte bei Jens Josef).

Johanna Meyer
Stipendiatin 2019, Violine, Klavier, Gesang, geboren 1993 in Burgstädt, Abitur 2011 in Waldenburg (Sachsen), 2016 Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien (Latein, Englisch) in Jena, seit 2012 Violinunterricht, seit 2011 Tätigkeit in verschiedenen Ensembles, seit 2016 Schulmusikstudium an der Universität Kassel, Engagement im Fachschaftsrat am Institut für Musik in Kassel und in Projekten des Staatstheaters Kassel (Musiktheater-Pädagogik).

Hansgeorg Kling
„Grenzenlosigkeit und Genialität“
bei Richard Wagner
Einen sehr aufschlussreichen Vortrag gab es Anfang Mai in der Reihe „Psychoanalyse unterwegs“. Prof. Dr. Dieter Ohlmeier (Kassel) beschäftigte sich mit Wagners „Ring“ aus psychoanalytischer Sicht. Er arbeitete heraus, dass das Werk stark geprägt sei durch die Widerspiegelung „archaischer Trieb- und Sozialkonflikte“ und insbesondere durch die „komplexe Persönlichkeit“ des Autors Richard Wagner. In den „thematischen Zentren“ Grenzenlosigkeit und Ambivalenz Wagners sah er dessen Identitätsprobleme versammelt, z.B. die Unsicherheit, wer eigentlich sein Vater war. Der „Ring“ enthalte die „Bruchstücke einer Selbstanalyse“. Beispiele: die Anrufung der Mütter durch mehrere seiner Helden, das Scheitern Siegfrieds, die letztliche Hilflosigkeit Erdas und die rücksichtslose Machtbesessenheit Hagens. Die einzige, die die volle Empathie des (von Wagner immer gezielt angesprochenen) Publikums genießen könne, sei Brünnhilde (Empathie: die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen). Durch die jüngsten Erfahrungen mit „Rheingold“ und „Walküre“ in Kassel wurde vieles konkret, die Erwartungen an die Inszenierung von „Siegfried“ konnten gesteigert werden.

Hansgeorg Kling
Notizen aus dem Staatstheater Neu inszeniert: „Siegfried“ am 14. September
Nachdem die beiden ersten Teile so großartig gelangen und auch von der Fachpresse hohes Lob bekamen, sind jetzt unsere Erwartungen auf „Siegfried“ gerichtet. Die Premiere ist am 14. September, das ist zugleich die Spielzeiteröffnung. Die weiteren Termine (für sie gibt es noch Karten): 21. und 28. September, 5. und 26. Oktober. Die beiden Hauptpartien sind hochklassig besetzt: Siegfried wird von Mati Turi gesungen, Brünnhilde von der uns (z.B. von Turandot her) bekannten Kelly Cae Hogan.
Auch Broschüre für die neue „Spielzeit 2019 – 20“, die Ende April erscheint, wird wesentlich im Zeichen des großen Projekts „Ring“ stehen.

Neu im Amt: Mario Hartmuth, der stellvertretende GMD
Mario Hartmuth, bis vor kurzem Zweiter Kapellmeister am Staatstheater Meiningen, hat Anfang des Jahres die Position des Ersten Kapellmeisters und damit des Stellvertretenden Generalmusikdirektors (GMD) übernommen. Er folgt auf Anja Bihlmaier, die jetzt freiberuflich tätig ist. Mario Hartmuth hatte sich im vergangenen Herbst im Bewerbungsverfahren insbesondere mit dem Dirigat von „Turandot“ durchgesetzt. In den letzten Monaten überzeugte er mit „Madama Butterfly“ und mit der furiosen Wiederaufnahme von „Il Barbiere di Seviglia“. Beim „Resonanzboden“ Anfang März gab er sehr freundlich und gesprächsbereit Auskunft über seinen Werdegang und seine Pläne für die nächste Zeit.

Neu aufgestellt: Die Theaterpädagogik
Das „Junge Staatstheater“ mit seinen Pädagogen für die Bereiche Schauspiel, Musiktheater, Konzert und Tanz hat sich im November neu formiert. Insbesondere die Lücke Musiktheater konnte geschlossen werden. Das Team besteht jetzt aus: Thomas Hof (von der nächsten Spielzeit an: Martina van Boxen, Leitung und Theaterpädagogik), Sabine Koller (demnächst: Norina Kindermann, Theaterpädagogik), Maria Radzikhovskiy (Musiktheaterpädagogik, Leitung des Cantamus-Kinder- und Jugendchors), Laura Wikert (Konzertpädagogik), Agnetha Jaunich (Tanztheaterpädagogik).
Am Schlusstag der Hofgeismarer Theatertagung wurde deutlich, dass auf diesem Feld noch viel zu tun ist, dass die Neubesetzung Grund zum Optimismus gibt, dass aber auch starker Rückenwind nötig ist. Hierbei müsste die Öffentlichkeitsarbeit des Staatstheaters helfen können. Geplant ist insbesondere die Fortsetzung, auch Ausweitung der Workshops, die es jetzt bereits gibt (in der Schule oder im Theater): Die Teammitglieder führen sie durch mit Schulklassen und mit Musiklehrern/innen. Möglich sind Probenbesuche, Blicke hinter die Kulissen und selbstverständlich Besuche der Vorstellungen selbst.

Hansgeorg Kling
Theatertagung
„Die Walküre“
Theatertagung der Evangelischen Akademie Hofgeismar
Das Thema in diesem Jahr: Richard Wagner - Die Walküre

Dass das Staatstheater Kassel in diesen Monaten zum fünften Male nach dem Krieg Wagners „Ring“ auf die Bühne bringt, war für die Ev. Akademie Hofgeismar Anlass, Wagner und seine „Walküre“ zum Gegenstand ihrer diesjährigen Theatertagung zu machen. Studienleiterin Kerstin Vogt bereitete sie vor: in Zusammenarbeit mit dem Staatstheater (Michael Volk) und dem Richard-Wagner-Verband (Hansgeorg Kling).
Die Tagung fand vom 22. bis 24. März statt und wurde zu einem unerwarteten Erfolg. Wir werden in der im Juni erscheinenden Broschüre „Oper und Konzert“ wesentliche Teile der Tagung dokumentieren, indem wir einen Einblick in die gehaltenen Vorträge geben. Hinzu kommt, dass Studienleiterin Kerstin Vogt zu Beginn unseres Wagner-Treffs am 21. Mai bei uns sein wird, um eine Zwischenbilanz zu ziehen: Der „Ring in Kassel – nach „Rheingold“ und „Walküre“.

Mein Fazit zuerst: Es war ein sehr anregendes, informatives, ja, beglückendes Wochenende in Hofgeismar. Die Tagung begann am Freitagabend nach einem gemeinsamen Abendessen mit einem Vortrag von Karl Gabriel von Karais mit dem Titel „Seiner Raben beide sandt‘ er auf Reise“ – im Vogelflug über Wagners „Ring“. Er gab einen ersten Überblick darüber, was eigentlich „Der Ring des Nibelungen“ ist. Als aufschlussreich erwies sich in der Diskussion im Anschluss die Frage, wer von den etwa 30 Teilnehmern noch nie eine Oper von Richard Wagner gehört habe. Es stellte sich heraus, dass einige wenige sich noch nie mit Wagner beschäftigt hatten und sich von dieser Tagung einen Zugang zu dem Thema erhofften.

Nach dem gemeinsamen Frühstück am Samstag war Jürgen Otten, ehemals Musikdramaturg am Staatstheater in Kassel, der nächste Vortragende. Sein Thema war: „Wagners Kunstmythos“. In gewohnt umfassender Weise gestaltete er das Thema und gab viel Stoff zum Nachdenken. Nach einer Kaffeepause berichtete Hansgeorg Kling, unser RWV-Vorsitzender, über die vier „Ring“-Inszenierungen in Kassel zwischen 1960 und 1999.
Danach sprachen Markus Dietz, der Regisseur, und Francesco Angelico, der GMD des Kasseler Staatstheaters, über die Inszenierung der „Walküre“, die am 9. März Premiere hatte. Herr Dietz erklärte seinen Ansatz für die Inszenierung: „Sie will einfach nur erzählen, was geschieht, und hat keine übergestülpte Interpretation.“ Er sagte aber auch, dass er einige Ideen wegen des beschränkten Budgets nicht verwirklichen konnte. Für Herrn Angelico war es harte Arbeit, sich in dieses Mammutwerk einzuarbeiten, und es war ihm dabei wichtig, sich nur auf den Komponisten und Dichter Richard Wagner zu konzentrieren, die Biografie aber auszublenden. Beide Herren betonten ihre sehr harmonische Zusammenarbeit und schlossen dabei das gesamte Team mit ein. Durch diesen Einblick in die Arbeit und das Denken der beiden Herren war der gemeinsame Besuch der „Walküre“ im Kasseler Staatstheater, der am späten Nachmittag auf dem Programm stand, ganz besonders interessant.

Der Sonntag begann mit der Andacht „Inspiriert“ zur Oper „Walküre“. Daniel Holzhauser, Bariton am Staatstheater und ehemaliger Stipendiat des RWV Kassel (2017), sang mit Klavierbegleitung sehr ergreifend „Wotans Abschied“. Die Predigt von Kerstin Vogt verknüpfte hochinteressant Geschichten aus der Bibel (Genesis) mit der Handlung des „Rings“, eine für mich ganz neue Betrachtungsweise.
Danach kam die Gruppe noch einmal im Vortragssaal zusammen, wo Maria Radzikhovskiy, Musiktheater-Pädagogin und Leiterin des Cantamus-Kinder- und Jugendchores, uns über ihre Arbeit mit Jugendlichen berichtete. Es entspann sich eine lebhafte Diskussion darüber, was die älteren Musikliebhaber tun könnten, um Jugendliche an die klassische Musik heranzuführen. Frau Radzikhovskiy hat die Erfahrung gemacht, dass nach einer detaillierten Besprechung sowohl der Handlung der Oper als auch der Musik die Jugendlichen beim Erleben der Oper im Theater viel Freude haben.
Beim Abschied am Sonntagmittag waren sich die Teilnehmer (in der Mehrzahl Frauen) einig, dass eine solch intensive Beschäftigung mit Text und Musik den Genuss der Oper sehr steigert.

Renate Meyer-Seitz