Broschüre des RWV Die neueste Ausgabe (Heft 18) unserer Broschüre "Oper und Konzert" mit aktuellen Informationen und mehreren Artikeln steht als pdf-Datei zur Verfügung: Datei hier herunterladen
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Vier Stipendiaten des RWV in Bayreuth Nach einer erkenntnis- und erlebnisreichen Zeit kehrten die vier Stipendiaten des RWV Kassel aus Bayreuth zurück. Neben Führungen, Vorträgen und Besichtigungen erlebten sie drei Aufführungen: Lohengrin (6.8.), Holländer (7.8.), Parsifal (8.8.). Das öffentliche Stipendiatenkonzert fand am 9. August statt. Die Begegnung mit den anderen 250 Stipendiaten und Stipendiatinnen aus aller Welt war für die vier von besonderem Wert. Mit einem kurzen Fazit zogen sie Bilanz:
„Richard Wagner ist in Bayreuth lebendig. Das haben wir in den letzten Tagen nicht nur während der Opernbesuche erleben dürfen, sondern auch an vielen Orten abseits des Festspielhauses. Diese hier aufrecht erhaltene Vitalität macht die Begegnung und die Auseinandersetzung mit Wagners Musik zu etwas Besonderem. Zumal wenn es neben Gesprächen und Besichtigungen noch die kenntnisreichen Einführungen in die Opernabende gibt. Auch für die Betreuung durch Hansgeorg Kling, den Vorsitzenden des Kasseler RWV, sind wir dankbar.“
Dazu sollte man wissen, dass der Richard Wagner Verband Kassel im Wesentlichen dazu da ist, den künstlerischen Nachwuchs zu fördern und die von Richard Wagner selbst gegründete Stipendienstiftung zu sichern. Dafür stellt er etwas mehr als die Hälfte seiner Ausgaben zur Verfügung.
Hier das Kurzporträt der vier:

Kevin Junk
Geboren 1991 in Marburg, Abitur 2011 am Gymnasium der Edertalschule Frankenberg, seit 2012 Studium fürs Lehramt (Musik, Philosophie) an der Universität Kassel, Schwerpunkt Konzertgitarre, seit 2007 Aktivitäten in verschiedenen Chören und Ensembles

Katharina Liebich
Geboren 1998 in Kassel, Abitur 2016 am Engelsburg-Gymnasium Kassel, jetzt Studium Musikhochschule Köln , Schwerpunkt Horn, seit 2013 Jugendsinfonieorchester Kassel (Leitung: Kiril Stankow), seit 2014 Landesjugendsinfonie-Orchester Hessen, 2018 auch Neue Philharmonie München

Diego Acena Moreno
Geboren 1988 in Spanien, Stellv. Solo Flöte im Staatsorchester Kassel seit September 2016, Studienabschlüsse mit Bachelor in Aragon und mit Master in London, Orchestererfahrung in Essen, Dresden, London und im Gustav-Mahler-Jugendorchester

Gabriel Robles
Geboren 1988 in Leon (Spanien), Solo Schlagwerk im Staatsorchester Kassel seit Januar 2016, Studienabschluss mit Diplom in Oviedo und Master in Weimar, Orchestererfahrung in Weimar (Staatskapelle) und Saalfeld-Rudolstadt (Thüringer Symphoniker)

Stipendioaten 2018
Vor dem Festspielhaus am „Parsifal“-Abend (von links): Kevin Junk, Hansgeorg Kling, Katharina Liebich,
Diego Acena Moreno, Gabriel Robles (Foto: Robles)
Kassel schmiedet den „Ring“ Ganz im Zeichen der „Ring“-Inszenierung, die das Staatstheater derzeit erarbeitet, stand der gut besuchte Wagner-Treff des Richard-Wagner-Verbandes Kassel (RWV) im November 2017. Die fünfte Produktion nach dem Weltkrieg, die Wagners Riesenwerk „Der Ring des Nibelungen“ in Kassel auf die Bühne bringt, startet am 1. September 2018 mit „Rheingold“.
Die Mitglieder erzielten schnell Einigkeit darüber, das Staatstheater bei der Realisierung des Projekts mit allen Kräften zu unterstützen, nicht nur materiell, sondern auch beratend. So unterstützt der RWV Kassel mit Werbemaßnahmen die angelaufene Spendenaktion der Fördergesellschaft „Wir schmieden den Ring“. Er diskutierte bereits im Vorfeld bei einem Vortragsabend mit Regisseur Markus Dietz und stellte dem musikalischen Leiter, GMD Francesco Angelico, Material von der Bayreuther „Jahrhundert“-Inszenierung (1976, Pierre Boulez) zur Verfügung. Zudem vereinbarte er mit Dramaturg Christian Steinbock eine Zusammenarbeit mit Blick auf die begleitende Ausstellung, die am 25. August im Opernfoyer eröffnet werden wird.
Den „Ring“ erlebten wir zuletzt vor 20 Jahren (Regie: Michael Leinert, musikalische Leitung: Roberto Paternostro). Viele haben ihn sich bewahrt in Gestalt der CD-Kassette, die die vier Abende aus den Jahren 1997 bis 1999 festhält.
Wir freuen uns sehr darüber, dass der „Ring“ von unserem neuen GMD Francesco Angelico dirigiert werden wird und dass der uns vertraute und durch seine bisherigen Opern-Inszenierungen (Turandot, Die tote Stadt, Elektra) bewährte Markus Dietz Regie führt.

DER „RING“ IN KASSEL
1961-64 - ML: Paul Schmitz / Regie: Hans Hartleb
1970-74 - ML: Gerd Albrecht, James Lockhart / Regie: Ulrich Melchinger
1983-91 - ML: Woldemar Nelsson, Peter Gülke, Bernhard Lang / Regie: Siegfried Schönbohm
1997-99 - ML: Roberto Paternostro / Regie: Michael Leinert
2018-20 - ML: Francesco Angelico / Regie: Markus Dietz
„Tristan und Isolde“ in Kassel: Eine Sternstunde unseres Theaters Ende Mai: ein ganz besonderer Theaterabend. Zum einen ist es für ein Theater ohnehin eine Herausforderung, dieses Werk Wagners auf die Bühne zu bringen. Zum anderen fügte sich nahezu alles zu einem Erlebnis, das nach der Aufführung von vielen als ungeheuer stark eingestuft wurde.
Das ergab sich aus dem Zusammenspiel von Orchester und Solisten, aus dem reduzierten Bühnenbild (drei Aufzüge - drei „archaische Urlandschaften“), das nicht ablenkte, und aus einer Personenführung, der es gelang, die „Tristan“-Handlung packend und überzeugend zu erzählen.
Zu danken haben wir das dem Orchester, das seine Wagner-Erfahrung voll ausspielte, und dem Gast-Dirigenten Constantin Trinks, der, ebenfalls Wagner-erfahren, den Sog der eher sinfonischen „Tristan“-Musik berauschend entfaltete. Zu danken haben wir das einem Solisten-Ensemble, in dem gerade auch zwei Große aus dem eigenen Haus glänzten (Ulrike Schneider und Hansung Yoo). Und nicht zuletzt einer Regie (Stephan Müller), die selbst das Düstere und Statische des dritten Aktes nicht langatmig werden ließ.
Vorzüglicher Abend mit Daniel Holzhauser Einen packenden Vortrag von Daniel Holzhauser erlebten die Teilnehmer des Wagner-Treffs im Juli. Der am Staatstheater so erfolgreich wirkende Bariton berichtete über die wesentlichen Ergebnisse seiner Masterarbeit, die er am Schluss seines Studiums in München schrieb: „Biografische Bezüge Wagners in den Hauptfiguren der Meistersinger von Nürnberg“.
Dabei konzentrierte sich der Referent auf Hans Sachs und auf Walter von Stolzing. Es wurde deutlich, wie sehr Wagner Erlebnisse und Erfahrungen der rund vierzigjährigen Entstehungszeit (erste Beschäftigung mit dem Stoff 1827, also mit 14 Jahren, Uraufführung 1868) hier aufgriff und neu entfaltete. Bei Hans Sachs die Prägung als Künstler (auf Herder basierender „künstlerisch produktiver Volksgeist“), andererseits (mit dem Blick auf Eva) das intensive Werben um die 20 Jahre jüngere Mathilde Maier in Biebrich (ab 1862). Wagners Hang zum freien, unbelastet-mutigen Handeln und zu politischem Mut wurde aus der Charakterisierung Stolzings herausgearbeitet.
Dass der junge Bariton nicht nur vorzüglich singt (zuletzt in Kassel Papageno und die Lieder eines fahrenden Gesellen), sondern auch wie ein erfahrender Redner spricht, machte den Vortrag zum Erlebnis.
Kurzbericht Bayreuth-Rückblick 15. Bayreuth-Rückblick seit 2004
Viel Lob für die Neuinszenierung des „Lohengrin“

Das kurzweilige und facettenreiche Gespräch am letzten August-Dienstag stieß auf das Interesse von rund 35 Mitgliedern und Gästen: Zum traditionellen Rückblick auf die Bayreuther Festspiele hatte der Richard-Wagner-Verband Kassel in Grimms Bistro eingeladen.
Im Mittelpunkt stand die kritische Auseinandersetzung mit der diesjährigen Neuinszenierung von „Lohengrin“: Regisseur war Yuval Charon, das dominierende Blau der Bühne und die Kostüme stammten von den Künstlern Neo Rauch und Rosa Loy, die musikalische Leitung hatte Christian Thielemann.
Hauptreferentin war Bettina Fraschke, Mitglied der HNA-Kulturredaktion. Sie machte in ihrem einleitenden Vortrag deutlich, warum die wesentlich durch die Kunst geprägte Inszenierung im Ganzen sehr positiv einzustufen sei: Die überwältigende Optik, die betörend schönen Bilder, die nahezu perfekte musikalische Umsetzung konnten überzeugen.
In der sich anschließenden Diskussion, die von Hansgeorg Kling, dem Vorsitzenden des Richard-Wagner-Verbandes, moderiert wurde, ging es vor allem um die Auslegung, dass sich Elsa mit ihrem Misstrauen, ihrem Zweifeln und dem Übergehen des Frageverbots befreit aus gesellschaftlichen Bindungen, geradezu emanzipiert und dass sie dabei durch Ortrud eher unterstützt als befeindet wird. Die Funktion des elektrischen Lichts und der Bühnenaufbauten (Transformatorenstation, Leitungsmast, Lohengrin als „Energiebringer“) wurde unterschiedlich beurteilt, im Ganzen aber als belebend empfunden.
Als Resümee konnte festgestellt werden, dass sich Richard Wagner selbst über diese Inszenierung gefreut hätte und dass sich die Bayreuther Festspiele bei diesem Aufführungs-Niveau sehr gut sehen lassen können.

Hansgeorg Kling